Hans-Jürgen Mottschall

Modellbau


Modellbau 1:20

Name des Modells 

MUTTLAND

Reederei

LR Lotsen Reederei Rostock GmbH

Typ

Lotsenboot

Frequenz Mhz

85, 53

Beschreibung und Besonderheiten des Modells:


Länge über alles 

735 mm

Breite über Anbauten

222 mm

Höhe

480 mm

Tiefgang

60 mm

Baumaterialien

Polystirol, Polyester, Messing

Bauunterlagen

Modellbau Sievers

Bauzeit

ca. 350 Hobbystunden

Gewicht des Modells

3 500 Gramm



Gewicht des Originals 


Kurzbeschreibung:



Ab Oktober 1994 wurden die 5 neuentwickelten 15-m-Lotsenboote an die LR Lotsen Reederei Rostock GmbH, Rostock ausgeliefert. Das Typschiff dieser 18 kn schnellen Serie liegt in Warnemünde. Die übrigen sind in Timmendorf/Insel Poel, Barhöft, Thiessow/Insel Rügen stationiert. Die neuen Lotsenboote, vornherein als seetüchtige Semi-Deplacement-Boot konzipiert, lösen Verdrängerboote mit 9 kn Geschwindigkeit ab.

Baubericht:

 

 



Erfahrungen beim Bau des Lotsenversetzbootes „MUTTLAND" Typ „Schnatermann"

Auf den Hamburger Modellbautagen stellte die bekannte Firma: Modellbau Sievers, Portlandstr. 5, 30629 Hannover diesen Schiffstyp vor. Ein Modell, das sofort nicht nur durch die ins Auge stechende Lackierung, sondern vor allen Dingen durch das Preis.- / Leistungsverhältnis Aufsehen erregte. Nachdem wir uns genauere Informationen zum Baukasten beim Herrn Sievers eingeholt hatten, beschlossen wir mit drei Hamburgern uns dieses Modell nach dem offiziellen Verkaufsstart zuzulegen.

Das Original:

Im Oktober 1994 wurde das erste von der „Fassmer-Werft, in Berne /Motzen, neuentwickelte 15 m – Lotsenboot „SCHNATERMANN" an die LR Lotsen Reederei Rostock GmbH, Rostock, geliefert. Dem seit dem 1.Januar 1995 privatisierten Lotsenversetzdienst in Mecklenburg-Vorpommern wurden bis Ende 1994 insgesamt fünf neue , 18 kn schnelle Lotsenboote für folgende Standorte zur Verfügung gestellt: Timmendorf/Insel Poel, Barhöft bei Stralsund, Freest bei Wolgast und Warnemünde 2 Boote (ein Boot Reserve). Sämtliche Boote sind jedoch in Rostock beheimatet. Die Namen der Boote mit dem Rufzeichen sind: Schnatermann (DQKK), Meckelborg (DQKL), Klaashahn (DQKN), Muttland (DQKL) und Öllermann (DQKM).

Die Fassmer-Werft erhielt den Neubauauftrag von der LR Lotsen Reederei, nachdem diese zusammen mit den Lotsen das Grundkonzept entwickelt und europaweit ausgeschrieben hatte. Die Konzeption, Entwicklung und Herstellung der Boote erfolgte innerhalb von etwa 14 Monaten. Immerhin ist der neue Typ das erste schnelle seegehende Lotsenboot für deutsche Rechnung aus seewasserbeständigem Aluminium.

Länge ü.a. 15,00 m

Länge i.d. CWL 13,70 m

Breite ü.a. 4,40 n

Breite a. Sp. 4,20

Konstruktionstiefgang 1,28 m

Geschwindigkeit: 18 kn

Besatzung 2 Mann

Lotsenplätze 5 Mann

Konstruktionsdeplacement 21,5 to

Bunkerkapazität max 5.000 L

 

Besonderheiten an diesem Schiffstyp sind: Die hydraulisch absenkbare Rescueplattform im Heckspiegel, die es erlaubt, im Wasser schwimmende Personen schnell und einfach zu bergen. Dieser Bergungsvorgang kann durchaus von nur einem Besatzungsmitglied ausgeführt werden. Die abgesenkte Rescueplattform wurde darüber hinaus so konzipiert, dass im Wasser schwimmende Personen nicht in die Propeller geraten können. Die PU – Scheuerleisten und die im vorderen Bereich angebrachten und besonders ausgeprägten Schulterfender. Diese Fender wurden zum Schutz in den kritischen Bereichen der Aluminiumkontruktion des Rumpfes, von der Fassmer-Werft speziell entwickelt und hergestellt. Lange Standzeiten und die Instandhaltungskosten zu senken sind letztendlich das Ziel des Aufwandes. In besonders kritischen Bewegungsbereichen der Lotsen auf der vorderen Backdeckfläche sowie auf den Lotsenpodesten und Handläufer, ist eine Beheizung installiert.

Das Modell:

Die Sichtung und Überprüfung des Modellkasteninhalts sowie der Baupläne ergaben erst einmal keine Beanstandungen! Der Kasteninhalt war klar und übersichtlich geordnet. Zerlegte Bauteile waren extra getütet und wie leider nicht immer üblich, beigelegtes Endlosmaterial wie Polystirol, Messingdraht und sonstiges, reichlich vorhanden. Die Baubeschreibung war klar und unmissverständlich.

Da ich mir rechtzeitig Lektüre aus den Fachorganen besorgte, fiel mir allerdings auf, dass ein Teil der Schiffsnamen nicht nur falsch geschrieben waren sondern auch mit den Funkrufzeichen nicht übereinstimmten.

Vorweg möchte ich betonen, dass die „MUTTLAND" (meine Auswahl des Modellnamens) für mich das zweite (das erste war die OCEANIC für das Schaufenster der Bugsierreederei in Hamburg gebaut, mit der Auflage; keine Änderungen am Modellbaukasten) Baukastenmodell meiner Schiffsmodellbaulaufbahn ist. Mein Fehler war, das Original „Schnatermann" zu fotografieren! Somit war also klar, es musste während des Baues einige Komplikationen geben. Meine Empfehlung ist: Wer sich schon zum Kauf eines Baukastens hinreißen lässt, sollte nicht meinen Fehler wiederholen. Grundsätzlich kann eine Herstellerfirma, allein aus Fertigungsgründen, verschiedene Bauteile nicht so fertigen, wie es sich die Erbauer wünschen, zumal der Modellbauer oft eine zugenähte und Stacheldraht geschützte Geldbörse besitzt.

Am Rumpf, aus Polyester gefertigt, wurde nicht mit Material gespart. Für mein Verständnis hätte man hier Gewicht sparen können. Die Hälfte des Rumpfmaterialsgewichts wäre z. B. für größere Batteriekapazität gut verwendbar. Der Hinweis, zuerst den Rumpfständer zu bauen, war auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen. Nur an einem feststehenden Rumpf können die beidseitig nötigen genauen Maße gesetzt werden. Nachdem ich mit der beigefügten Schablone die Bohrungen für die Wellen und Ruderanlagen gesetzt hatte, bohrte ich gleich noch 9 Löcher für verschiedene Wasseraustritte, die allerdings nur durch meine Fotoaufnahmen belegt waren. Da mir die beigelegten Wellenanlagen und Ruderblätter nicht gefielen, fertigte ich sie aus Bronzeblech und MS selbst an. Um das Deck aufzunehmen, musste eine Holzkonstruktion in den Rumpf gesetzt werden auf die dann das zusammengefügte Deck (ABS 1,5 mm) aufgesetzt wurde. Der beifügte Süllrand (im Bereich des abnehmbaren Aufbaus) passte hervorragend. Das Deck musste an der Bordwand 2,5 mm vom oberen Rand eingesetzt werden. Das der Schiffssprung und die Decksbucht nicht vergessen wurde, konnte ja aufgrund der Zeichnung nicht übersehen werden. Nach Überprüfung der Fotos, baute ich nun noch die Spannschraubenaufnahmen für die großen Fender zwischen den überdimensionierten Schulterfendern und der unteren Wallschiene an. Insgesamt beanspruchte die Rumpfherstellung ca. 30 Stunden.

Inzwischen hat sich unsere Pilot-Flotte auf fünf erweitert


Der Aufbau des Schiffes aus 1,5 mm ABS-Material aus mehr als 30 Bauteilen bestehend, konnte nach wenigen Stunden fertig gestellt werden. Durch die vernünftige Bauanleitung sowie einem bisschen logischem Denken traten keine größeren Schwierigkeiten (ich denke auch für einen Anfänger) auf. Die Passgenauigkeit der Bauteile war speziell an diesem Modellbauteil hervorragend. Meine Schwierigkeit bestand allerdings immer wieder oder zum Glück darin, dass ich eben nun einmal die Originalfotos des Schiffstyp hatte. Hier stellte ich auch fest, dass die Backbord.- mit der Steuerbordseite vertauscht war. Erkennbar daran, dass die im Aufbauschott eingelassenen Seitentaschen (Bauteile 31-37) seitenverkehrt dargestellt waren. In diesen Taschen sind verschiedene Bedienungselemente und Lüfter eingebaut. Das Achterschott des Aufbaus hat auch eine eingelassene Tür und nicht wie im Baukasten dargestellt, aufgesetzt. Es ist zwar nicht gravierend was ich aufzeichne, denke jedoch, gerade diese Kleinigkeiten machen die Unterschiede eines Modells aus. Empfehlenswert ist auf jeden Fall vor dem Lackieren die Fensterrahmen exakt nachzuschleifen! Ich habe die Erfahrung machen müssen, alle Fensterrahmen konnten erst nach dem Ausschleifen der Fensteröffnungen eingesetzt werden. Hier ist offensichtlich zu genau gefräst worden.

Die verschiedenen Anbauteile wie: Lüfterklappen, Schornstein, Radargerät, Radom, Handlauf, Lüfter und die Aufnahmen für den Pick- und Bootshaken fertigte ich aus MS. Die Verwendung von MS auch in diesem großen Maßstab, lassen doch einige Feinarbeiten mehr zu.

Der Signalmast war doch mit erheblich mehr Arbeit verbunden, als ich zuerst dachte! Wenn die Beleuchtung funktionieren soll, sind erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Alle Kabel in den vorgegebenen Mastinnendurchmesser unterzubringen ist nicht möglich. Ich löste das Problem wie folgt: Nachdem der Mast mit Anbauten fertig montiert und lackiert war, fräste ich den Mast auf der Rückseite auf, lötete die einzelnen Drähte der Lampen (insgesamt 5 Stück)

hintereinander zusammen und legte sie jetzt in den Mast. Der gefräste Schlitz wurde nun verspachtelt und dort überlackiert. Leider waren die mitgelieferten Lampen nur weiß und als Rundumlaternen beigelegt. Die Positionslaternen konnten erst nachdem die Grad. / Winkelabdeckungen angebaut waren angebaut werden. Der Laie hätte mit Sicherheit einige Probleme. Die Gläser der farbigen Lampen färbte ich von innen mit Glasfarbe (Lotsenlaternen rot, Backbord rot und Steuerbord grün) ein. Die angegeben Stromzufuhr von 3 Volt, erhöhe je nach Bedarf bis auf 4,8 Volt. Der Signalscheinwerfer wird zeitweise sogar bis 6 Volt hochgefahren, allerdings darf diese hohe Voltzahl wegen der Erwärmung der Kabel nicht zu lange dauern.

Die Reling und Lotsenübergabepodeste waren Dank der guten Beschreibung recht schnell zu erstellen. Die beigefügten Drähte 1,2 mm und 1,5 mm waren in ausreichender Menge vorhanden. Den Aufgang zum Podest sowie den Boden fertigte ich mir allerdings aus MS an. Das hatte nichts mit dem beigefügten Material zu tun, es ist bei mir einfach der optische Gesichtspunkt. Die gesamte Reling und das Podest stellte ich im Weichlötverfahren her. Die beiden Relingteile Bb.- bzw. Stb.-Seite auf dem Achterschiff mussten entgegen der Baukastenvorgaben verändert werden. Zum einen mussten die Rettungsringe der Neuzeit angepaßt werden! D.h., die Ausführung der mitgelieferten Ringe gibt es so seit Jahren nicht mehr. Analog dazu fertigte ich dann auch gleich die modifizierten Rettungsringhalter auf dem Vorschiff -Bb-Seite und Achterschiff Stb-Seite. Der achtere Rettungsring hat gleichzeitig die Mann-über-Bord Beleuchtung mit Halter. Für den Laien zur Erklärung: Diese Beleuchtung richtet sich im Wasser auf und blinkt dann, so dass bei Dunkelheit die Position des Treibenden auf der dunklen Wasserfläche erkennbar ist. Die mitgelieferte Rettungsinsel musste um ca. 25 % verkürzt werden, sonst konnte sie nicht auf die vorgesehene Position der Bb.-Seite gelagert werden.

Die Rettungsbühne im Heckbereich übernahm ich fast so, wie sie im Baukasten vorgegeben ist. D.h. die Grundelemente überarbeitete ich nach den Bildern (Anbauten wurden überarbeitet und verfeinert) und nicht funktionsfähig aufgebracht. Wer den Aufwand nicht scheut, sollte ruhig, die auch vom Platz her, gut machbare Funktionsfähigkeit der Bühne wahrnehmen.

Nachdem jetzt noch verschieden Kleinteile der Decksausrüstung (Poller, Klampen, Ankerwinde mit Eigenbau-MS-Anker) überarbeitet waren, konnte endlich die Lackierung vorgenommen werden.

Unterwasserschiff = butoprot (Farbenfirma „SIKKENS")

Aufbau / Rumpf = orangerot RAL 2004

Deck = grün RAL 6029

Roter Brückenstreifen = leuchtrot

Das gesamte Modell wurde mit einem Seidenmattlack überspritzt!

Der Einbau der Boschmotoren (werden in verschieden Autos zur Fensterbedienung genutzt mit 7polige Anker bei 12 Volt) sowie der Funkfernsteuerung waren bei der Größe des Rumpfes keine große Schwierigkeit. Die Akkukapazität beträgt 12 Volt bei 2,2 Amp., ergibt eine Fahrleistung von ca. 1,5 – 2 Stunden.

Die Beschriftung des Rumpfes, der Rettungsinsel sowie der Rettungsringe waren die letzten Arbeitsgänge. Das selbstverständlich die Rettungsringe mit den Halteleinen und den Bauchbinden versehen wurden, muss, glaube ich nicht extra erwähnt werden.

Mein Fazit nach Vollendung des Baues:

Ein buntes, attraktives größeres Modellschiff, das sich dem normalen Modellbauer geradezu anbietet. Das Preis- / Leistungs-Verhältnis stimmt in diesem Fall, ca. 600,- DM mit guten Antriebsmotoren ohne Fernsteuerungsanlage. Die Bauanleitung und Bauteile sind akzeptabel, man sollte jedoch beim Kauf des Modells, den Rumpf sehr genau ansehen. Die Rümpfe fallen alle in verschiedenen Qualitäten aus. Der benötigte Bauzeitraum von ca. 150 Hobbystunden ist für ein schnelles Erfolgserlebnis respektabel und annehmbar. Mein Fehler war jedoch, meine, vom Original gefertigten Fotounterlagen. Jeder Modellbauer legt jedoch letztendlich seine eigenen Zielvorgaben fest und entscheidet über seinen Arbeitsumfang! Zum Sonderfunktionsausbau bietet sich das Modell gerade zu an.

Wie schon erwähnt, haben wir, der Schiffsmodellbau-Club Hamburg, inzwischen drei Modellboote dieses Typ fertig gestellt. Das vierte Modell liegt gerade auf dem Helgen.



Die Muttland in Höchstfahrt