Hans-Jürgen Mottschall

Modellbau


 Lebenslauf des Schiffsmodellbauers

HANS-JÜRGEN MOTTSCHALL

In Frankfurt/Oder geboren, mussten wir einige Jahre später auf der allgemeinen Flucht aus dem Osten, meine Heimatstadt in Richtung Westen verlassen.

Die Jugend und meine Schulzeit verbrachte ich in Pinneberg. Hier begann dann auch im Alter von 9-10 Jahren meine Modellbaubesessenheit. Waren es anfänglich noch die Papierflugzeuge und Schiffe der Wilhelmshavener Modellbogen, so begann ich doch schon mit ca. 12 Jahren meinen Modellbau mit festeren Materialien. Die Kunst des Weichlötens und den Umgang mit Weißblech lernte ich schon recht früh von meinem Stiefvater. Wie vermutlich bei den meisten Jungen in meinem Alter, musste es natürlich ein großes Modell werden. Meine Wahl fiel auf den Schlachtkreuzer „SCHARNHORST“ im Maßstab 1 : 100. Dieser Maßstab wurde von mir im Laufe der Jahre bis auf wenige Ausnahmen beibehalten. Da es zum damaligen Zeitpunkt noch keine fertigen Schiffsmodellbaupläne gab, zeichnete ich mir die entsprechenden Wilhelmshavener Papierbogen um und fertigte nach bestem Wissen und dem damaligen Können das Unterwasserschiff selbst. Fachleute bestätigten mir hier ein gelungenes Modell. In drei-jähriger Bauzeit bastelte ich mir aus Weißblech ein ganz passables schwimmfähiges Schiffsmodell.

Von 1957 - 1962 erlernte ich dann den Beruf eines Matrosen, machte meine Matrosenprüfung und fuhr dann bei verschiedenen Reedereien, zuletzt als Bootsmann und Offiziersanwärter in der Handelsschifffahrt. Meine Seefahrtszeit endete mit meiner Heirat im Oktober 1962.

Meine Modellbauleidenschaft hatte ich auch während der Seefahrtszeit nicht einschlafen lassen, nur konnte ich hier natürlich aus Platzgründen  kein Modellbau betreiben. Das Anfertigen von verschiedenen Schiffszeichnungen und Studieren der Bordschiffspläne sorgten für genug Beschäftigung. Jetzt, an Land und mit entsprechender Wohnfläche ausgestattet, konnte mein Modellbau wieder aufleben. Natürlich wurde noch einmal die „SCHARNHORST“  im Maßstab 1 : 100 gebaut. Dieses Mal natürlich mit ein bisschen mehr Geschick. Allerdings musste ich jedoch feststellen, dass mein Wissen für den Bau grauer Schiffe nicht groß genug war und schon gar nicht meinen Modellbauvorstellungen entsprach.

Das bei der Handelsschifffahrt erlernte Wissen überzeugte mich schließlich, für die Zukunft nur bunte Modellschiffe zu bauen. Hier fertigte ich im Laufe der Jahrzehnte mit immer größeren Anstrengungen (Arbeitsumfang), die verschiedenen Schiffstypen aus unterschiedlichen Materialien. Angefangen von nur Weißblech, Messing, Kupfer, Leiterplattenmaterial bis hin zu Polyester und den ersten Ätzteilen. Im Laufe der Jahre entstanden folgende Schiffsmodelle:

SCHARNHORST (Schlachtkreuzer WK. II)

CAP SAN DIEGO (Stückgutfrachter HAMBURG-SÜD)

HAMMONIA (Omni-Schiff  HAPAG-LINIE)

TABORA Stückgutfrachter AFRIKA-LINIEN)

FRIESENSTEIN (Stückgutfrachter NODDEUTSCHER LLOYD)

HAMBURG (Passagierschiff ATLANTIK-Schiffahrtsgesellschaft)

BOMMA (Ro-Ro/Lo-Lo/Papierfrachter OLSEN-LINIE)

S.A. VAN DER STEL (Spezialschwergutfrachter SOUTH AFRICAN MARINE)

STAHLECK (Spezialschwergutfrachter HANSA-LINIE)

SYDNEY EXPRESS ( HAPAG-LINIE

GARANT ( Hochseeschlepper LÜTJENS & REIMERS)

T.S. 52 SOUND ( Bohrinselversorger HAPAG/LLOYD Transport Service)

CONTI BRITANIA (Spezialschwergut-Containerfr. der Hamburger CONTIMAR-LINIE)

MAERSK MASTER (dänischer Bohrinselversorger MÆRSK-LINIE)

ODEN (schwedischer Eisbrecher)

STRIL POWER (norwegischer Versorger von MØKSTER)

NORMAND PROGRESS (norwegischer Versorger von SOLSTAD)

AHT URANUS ( deutscher Versorger der HARMS – BERGUNG Hamburg ) 

Im Bau: FAIRPLAY 33 Versorger (Fairplay Schleppdampfschiffs-Reederei Richard Borchard GmbH) 

Selbstverständlich baute ich für unseren Sohn zur Einschulung ein Feuerlöschboot und später noch ein Landungsboot im Maßstab 1 : 25.

Am 4. Mai 1966 wurde mein Arbeitgeber die Berufsfeuerwehr Hamburg: Im gleichen Monat des Jahres trat ich auch in den Schiffsmodellbau-Club Hamburg e.V. ein, in dem ich dann fast 12 Jahre 1. Vorsitzender war. Hatte ich bis zum Eintritt im Club nur Hobbymodellbau betrieben, änderte sich dieses jetzt entscheidend durch die Teilnahme an einem Wettbewerb und durch die gute Platzierung auf diesem, bis hin zum Leistungsmodellbau. Durch den für mich überraschenden 2. Platz hinter dem damaligen Deutschen Meister stand fest, das ich über wesentlich größere Fähigkeiten verfüge, als die bisher gezeigten. Im Laufe der Jahre, habe ich sehr viele Freunde, die ich auf keinen Fall missen möchte, aber und das empfinde ich als äußerst negativ, leider auch sehr viel Neid und erleben müssen. Hier vergaß der eine oder andere ganz einfach, das mir meine Erfolge nie geschenkt wurden sondern durch handwerkliches Geschick und oft auch dem Quäntchen mehr Glück im Wettbewerbs - Fahren gelangen !  

Mit dem ersten Originalwerftplan der „TABORA“, einem Schiff der DAL und  ca. 200 Detailfotos des Originals baute ich jetzt mein erstes Wettbewerbsschiff. Sehr schnell stellten sich jetzt die Erfolge  ein. Nach den relativ leichten Erfolgen auf Freundschaftswettbewerben folgten nun die entscheidenden Erfolge auf den Gruppen-Meisterschaften, den Deutschen Meisterschaften,   der Europameisterschaften bis hin zu den Weltmeisterschaften.. Diese Erfolge konnten in den verschiedenen Klassen wiederholt werden :

Zwischenzeitlich war ich auch nationaler Schiedsrichter und Bauprüfer geworden. Neben den vielen Einsätzen als Oberschiedsrichter auf Weltmeisterschaften leitete ich 1993 als Hauptschiedsrichter den C-Weltwettbewerb am 24.08. bis 4.09.1993 in Jablonec (CR). Das ich selbstverständlich in den verschiedenen Kommissionen national wie international eingebunden wurde kam zwangsläufig.

Da die Intrigenspiele und unerträglichen Eitelkeiten einiger hoher nationaler sowie internationaler Funktionäre (von denen ich noch nie ein Modellschiff sah) immer üblere Formen annahmen sowie die Erkenntnis, nichts ändern zu können veranlasste mich letztendlich dazu, die Zusammenarbeit mit den Verbänden abzulehnen. Dazu ist mir mein Hobby sowie die Zeit einfach zu wertvoll.

Inzwischen hat sich im Offshoremodellbau ein größerer  Interessenkreis (lose Vereinigung), unter dem Begriff IOS (INTERNATIONAL OSV SOCIETY) gebildet. Da ich mich hier recht wohl fühle, habe ich mich diesem Kreis angeschlossen.